Global Player - Markus Kassulke über die weltweit erfolgreiche Spiele-Schmiede HandyGames aus Würzburg

„Damals, als alle noch Snake auf dem guten alten Nokia 3310 zockten, dachten wir uns: Das geht doch noch besser!“ Die Gründer von HandyGames werden oft gefragt, wie einst die Idee für ihr Unternehmen entstand. Heute sprechen wir mit Markus Kassulke, der dem Gründermagazin Mainfranken interessante Einblicke in eine erfolgreiche Unternehmensgründung liefert.

„Die Snake-Erklärung leuchtet den meisten auf Anhieb ein“, lacht Markus und fährt fort: „Nein, im Ernst. Damals schon absolut spieleaffin, waren wir uns sicher: In dem Bereich können wir was reißen – zum einen natürlich mit unseren Skills, aber vor allem mit unserer Leidenschaft für Spiele.“ Fast 20 Jahre ist es nun schon her, dass die Brüder Markus und Christopher Kassulke zusammen mit CFO Udo Bausewein HandyGames gründeten. Als sie 1999 mit ihrem geliehenen Laptop nach München zu Nokia fuhren, um dort eine ihrer ersten Ideen vorzustellen, bekamen sie folgende Ansage: „Ihr müsst eine GmbH gründen!“ Gesagt, getan.

„Mehr Start-up-Feeling ging kaum“, erinnert sich Markus an die Anfangszeit von HandyGames zurück – und muss grinsen. Gemeinsam mieteten die Gründer eine Wohnung in der Würzburger Innenstadt, kauften Bierbänke bei Obi und machten diese zum Inventar ihrer „Geschäftsräume“. Bewerbungsgespräche wurden auf dem Balkon geführt und irgendwann wurde auch mal eine Wand eingerissen, um mehr Platz zu schaffen – Expansion 1.0.

Seit 15 Jahren hat HandyGames seinen Sitz nun in Giebelstadt. „Warum Giebelstadt?“ Einer der Vorteile des Standorts sei gewesen, dass HandyGames hier gute Wachstumsmöglichkeiten vorfand. In der Innenstadt habe es keine Parkplätze gegeben, zu wenig Räume „… und nicht genug Wände zum Einreißen“, fügen wir an. „Ganz genau!“, bestätigt Markus. „Was wir in diesen Jahren für den Ausbau unseres Unternehmens vor allem brauchten, war Platz – und Internet (lacht). Der Next Step war also irgendwann einfach fällig. Außerdem haben wir hier Bäume, Vogelzwitschern, keine Hektik und einen top Vermieter, mit dem wir super klarkommen. Den Leuten in Giebelstadt sind wir mittlerweile ein Begriff und wir fühlen uns rundum wohl in der Umgebung. Was will man mehr?“

„Zum Beispiel fähige Mitarbeiter“, geben wir zu bedenken – und Markus stimmt zu: „Auch die haben wir zum Glück.“ Denn HandyGames wählt seine Mitarbeiter sorgfältig aus und setzt nicht nur auf eine gute Ausbildung, sondern vor allem auf ehrliche Spieleaffinität, (social) Skills und ausgeprägten Teamgeist. „Natürlich ist es wichtig, dass man sein Handwerkszeug beherrscht und ein Einserabschluss natürlich schön und gut – aber die Liebe zum Spiel steht bei HandyGames im Mittelpunkt. ‚Hauptsache Job‘ wird bei uns nicht funktionieren.“ Versteckte Talente zu suchen, zu finden und zu fördern ist eines der Ziele von HandyGames. Worauf man dabei besonders achten sollte: „Wie bei Geschäftspartnern kommt es bei der Talentsuche vor allem darauf an, dass es einfach passt: Das Produkt, das Team, die Idee und natürlich der Grafikstil müssen stimmen. Wenn dann noch Gespür für Innovationen und Offenheit für Neues hinzukommen, läuft’s.“ Apropos Offenheit für Neues: Pünktlich zur Volljährigkeit des Unternehmens kam es zum Verkauf an den schwedischen Videospiel-Konzern THQ Nordic AB. „Eine schwere Entscheidung?“ „Nein. Auch hier können wir sagen: Perfect Match! Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man sich zufriedengibt mit dem, was man erreicht hat – oder ob man weitermacht, sozusagen den ‚next next step‘ nimmt.“ HandyGames hätte diesen Schritt nicht gebraucht, wollte ihn aber gehen. Sie haben den Eintritt in die THQ Familie als Türöffner erkannt und genießen die Vielfalt an (selbstverständlich auch finanziellen) neuen Möglichkeiten, die HandyGames nun hat. „Im Endeffekt machen wir dasselbe, wie vorher auch: Wir entwickeln innovative Spiele, haben riesen Spaß daran und setzen auf Qualität statt auf Quantität. Nur stehen uns jetzt eben mehr Mittel zur Verfügung. So können wir die deutsche und internationale Spielebranche noch engagierter unterstützen.“ Sicher habe sich durch die Übernahme von THQ die ein oder andere Arbeitsweise im Unternehmen verändert, „aber die docken wir gern und problemlos an unsere an.“ Zum Abschluss unseres Gesprächs erlauben wir uns noch zu fragen, ob Markus denn eigentlich ein persönliches Lieblingsspiel im HandyGames Sortiment habe. „Fiese Frage…“, meint er schmunzelnd. Trotzdem kommt die Antwort schnell: „Ein Highlight stellt für mich definitiv Townsmen VR dar; die Aufbau-Strategie-Serie ist eines unserer preisgekrönten Vorzeigeprojekte, das uns schon seit vielen Jahren begleitet. Was mich an Townsmen VR unter anderem so begeistert, ist die Tatsache, dass wir das bekannte Game in eine neue Technologie heben konnten – und außerdem macht’s einfach mächtig Spaß!“

Text: Lisa Dillhoff (Schreiberei Eder), Fotos: HandyGames


handy-games.comexterner Link

304 HandyGames - Alm
Kreativ ist bei HandyGames auch die Arbeitsumgebung – hier der Multifunktionsraum, die „Alm“.

304 HandyGames - Nordsee
Im Eingangsbereich wird man von der „Nordsee“ empfangen – mit Plüschtieren aus einem HandyGames-Spiel.

304 HandyGames - Townsmen
Das Spiel „Townsmen VR“ wurde vom bayerischen Staat gefördert und hat den Deutschen Computerspielpreis gewonnen.


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